Zeitungsartikel in der Offenbach Post:
Mühlheimer Turnier mit VierkampfIGV HESSEN IN DER FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG!Ein Bericht über Michaela Messerschmidt "Der Zufall springt mit Höhenflug im Hobby"
FAZ Bericht
Intwerview mit Michaela Messerschmidt, 9.03.2010 für
www.hobbymap.de
Frau Messerschmidt, erzählen Sie uns ein wenig über das Vielseitigkeitsreiten. Worum geht es dabei und was macht für Sie den Reiz und die Faszination dieses Pferdesports aus?Wie der Name schon sagt, geht es dabei um die vielseitige Ausbildung von Reiter und Pferd. Man trainiert sehr abwechselungsreich alle drei Sparten: Dressur, Springen, Geländereiten. Ich finde es faszinierend, gerade auf höherem Niveau, was das Vielseitigkeitspferd für unterschiedliche Leistungen bringen kann. Es geht im Idealfall eine ruhige, harmonische Dressur, galoppiert dynamisch, kraftvoll durch den Geländekurs und springt dann noch konzentriert, vorsichtig über einen Parcours! Das sind so unterschiedliche Anforderungen in max. drei Tagen: Das ist für mich der Reiz am Vielseitigkeitsreiten!Welche körperlichen und mentalen Anforderungen stellt das Vielseitigkeitsreiten – zum einen an den Reiter, zum anderen an das Pferd?Der Reiter muss körperlich fit und mental voll konzentriert sein. Allerdings sollte das nicht nur im Vielseitigkeitsreiten so sein... Ist der Reiter verkrampft/verspannt, kann auch das Pferd nicht losgelassen gehen. Ist der Reiter vor dem Geländeritt nicht positiv motiviert, wird auch das Pferd nicht mit Freude in den Kurs gehen. Genauso kann auch das Lebewesen Pferd einmal einen schlechten Tag haben. Es ist ganz wichtig, das der Reiter immer sensibel in sein Pferd hineinhorcht.
Der Vielseitigkeitsreiter sollte sich im gestreckten Dressursitz ebenso wohlfühlen, wie im leichten Sitz mit kurzen Bügeln. Eine wichtige Rolle spielt auch die Kondition beim Pferd und beim Reiter.
Geländeritte gehen je nach Klasse über mehrere Kilometer in flachem oder auch hügeligem Gelände mit einer Anzahl an verschiedenen Naturhindernissen. Das fordert Kraft und Kondition.
Wenn man als junger Mensch bereits Grundkenntnisse im Reiten hat und nun mit dem Vielseitigkeitsreiten beginnen möchte, was kommt da auf einen zu, wie wird man an diese Art des Pferdesports herangeführt?Dies geschieht häufig durch Freunde oder Vereinskollegen, die schon einmal Erfahrungen in der Vielseitigkeit gemacht haben. Einige Reiter fasziniert das Zuschauen und sie sagen sich: Das würde ich auch gerne ausprobieren. Die IGV (Interessengemeinschaft Vielseitigkeitsreiten in Hessen) bietet beispielsweise Schnupperkurse an, die genau diese jungen Menschen ansprechen sollen. Über kleine Baumstämme, Bergauf- und Bergabreiten etc. werden Pferd und Reiter ganz langsam an das Geländereiten herangeführt. Auch das Galoppieren in einem höheren Tempo muss erst einmal geübt werden. Wichtig ist, dass erst einmal Spaß und Freude bei Reiter und Pferd erzeugt werden. Das Durchreiten von Wasserpfützen oder größeren Wasserstellen wird geübt. Hierbei ist es wichtig, dass man geduldig und ruhig an diese Übung herangeht. Am besten mit einem erfahrenen Pferd vorne weg. Der junge Reiter und das unerfahrene Pferd müssen lernen, dass das Wasser nicht `gefährlich` ist, sondern, dass es Spaß macht, hindurch zu galoppieren.
Wenn Pferd und Reiter die Lust am Geländereiten entdeckt haben, ist es wichtig, auf vielen, verschiedenen Geländestrecken Erfahrungen zu sammeln und ein gegenseitiges Vertrauen zu entwickeln.
Ein Fehler ist es, wenn Reiter meinen, es funktioniert in den einzelnen Sparten Dressur und Springen nicht so gut und probieren es dann mit der Vielseitigkeit. Die Grundlagen in Dressur und Springen sollten stimmen, bevor man über Geländesprünge reitet.
Wie läuft das Training bei fortgeschrittenen Vielseitigkeitsreitern ab und was gehört da alles dazu?Die dressurmäßige Arbeit und die Rittigkeit spielen immer eine wichtige Rolle. Man übt die verschiedenen Lektionen und Anforderungen, die in den höheren Klassen in der Dressur gefordert sind.
Regelmäßiges Konditionstraining ist mindestens 1x pro Woche auf dem Plan. Dies wird kontinuierlich gesteigert, um eine gute Kondition zu erreichen.Ich mache Galopptraining bei uns auf der Außenanlage, gehe im Schritt klettern an einem kleinen Hügel in der Nähe. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man am Berg galoppieren. Das ist sehr effektiv, aber leider nicht jedem gegeben.
Auch Gymnastik- und Parcoursspringen findet 1- bis 2x pro Woche statt. Geländehindernisse werden in unregelmäßigen Abständen gesprungen.
Mein Pferd kommt jeden Tag mindestens 2x heraus. Morgens geht er 1 Stunde Schritt (Führmaschine, Laufband oder Ausreiten) und mittags wird gearbeitet. Koppelgang ist auch sehr wichtig. Je nach Wetter geht er mehrere Stunden auf die Wiese.
Was sollte man generell im Umgang mit Pferden beachten und welche Tipps und Hinweise haben Sie hinsichtlich des harmonischen Miteinanders von Pferd und Reiter?Für mich ist es ganz wichtig, dass das Pferd als Partner angesehen und respektiert wird. Es ist kein `Sportgerät`, das man aus der Box ziehen kann und es funktioniert.
Bei „Benson“ und mir ist über die Jahre ein enormes, gegenseitiges Vertrauen entstanden. Wir sind ein Team geworden und ich glaube, darauf basiert unser Erfolg.
Ich höre in ihn hinein und merke, wenn etwas nicht stimmt. Genauso gleicht er auch kleine Fehler von mir aus. Wir ziehen gemeinsam am gleichen Strang. Er weiß, dass ich ihn nie gegen einen Sprung reiten würde, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass er das auch springen kann.
Das ist auch ein wichtiger Aspekt im Vielseitigkeitssport: Überschätze nie dich oder dein Pferd.
Handele immer zum Wohle des Pferdes. Gerade im Gelände liegt die Verantwortung beim Reiter. Wenn man merkt, heute ist nicht unser Tag. Ich finde keinen Rhythmus oder mein Pferd ist schlapp.
Lieber einmal den Ritt vorm Ziel beenden, als zuviel zu riskieren.
Wie sehen Sie die Zukunft des Vielseitigkeitsreitens, gibt es hier Trends und Entwicklungen die sich abzeichnen? Welche Wünsche hätten Sie diesbezüglich persönlich?Der Vielseitigkeitssport hat sich sehr verändert in den letzten Jahren. Es wird viel mehr Wert auf die Dressur und das Springen gelegt. Die Geländekurse sind technischer und kürzer. Die Rennbahn ist gänzlich weggefallen. Man braucht nicht mehr die hoch im Blutanteil stehenden Galoppiermaschinen.
Die drei Sparten (Dressur, Springen, Gelände) sind gleich wichtig geworden. Und ich glaube, das der Trend immer weiter Richtung Dressur geht. Wenn man da nicht von Anfang an sehr gute Punkte sammelt, ist es schwierig am Ende noch in den vorderen Platzierungsrängen zu sein.
Bei den Geländekursen steht ganz oben, den Aufbau so zu gestalten, dass die Unfallgefahr minimiert ist und Stürze möglichst vermieden werden.
Der Springparcours am dritten Tag ist auch anspruchsvoller geworden. Es ist nicht nur eine Formüberprüfung, sondern Konzentration und Reaktion werden noch einmal abgefragt.
Ich persönlich finde diese Entwicklung gut und glaube auch, dass es in die richtige Richtung geht.
Man kann durch den Wegfall der Rennbahn z.B. mehr Prüfungen in einer Saison reiten, da die Anforderung an das Pferd nicht mehr so extrem ist.
Aber egal, wie es kommt, man muss eh immer mit dem Trend gehen: Mir ist wichtig, dass ich den Spaß an der Vielseitigkeit behalte und wünsche mir, dass mein „Benson“ noch lange fit bleibt.
Ich hoffe, dass viele junge Reiter einfach einmal die Vielseitigkeit testen und Freude daran finden!
Das Gefühl, wenn man ohne Fehler aus dem Gelände ins Ziel kommt, ist unbeschreiblich. Das muss jeder für sich selbst einmal erfahren. Wenn dann auch noch Dressur und Springen gut geklappt hat und man am Ende eine Schleife mit nach Hause nehmen darf, macht mein Herz (heute noch)einen
Freudenhüpfer!